Sustainability Action Framework

Es gibt sehr unterschiedliche Lebensstile, Ansätze, Konzepte, etc. für unser Denken und Handeln, die zugleich einer nachhaltigen Nutzung des Planeten Erde zuträglich sind. Eine „Do-it-yourself“-Mentalität kann beispielsweise dazu beitragen, nicht alles, was defekt ist, sofort durch Neues zu ersetzen. Etwas, das der eine wegwirft, mag für einen anderen vielleicht noch von Nutzen sein (bspw. Second-Hand). Menschen können sich hierbei in lokalen Netzwerken gegenseitig unterstützen und – ebenso wie dies auf industrieller und politischer Ebene gesteuert werden kann – Stoffkreisläufe gestalten (Designing Cycles). Hiermit kommt auch das cradle to cradle-Konzept ins Blickfeld, für das insb. Braungart steht (vgl. beispielsweise das in den Quellen unter Braungart, 2011, genannte Video). Eine andere Einstellung oder auch ein anderer Lebensstil ist der der Minimalisten, die darin Erfüllung im Leben finden, sich nicht mit unnötigem Besitz zu belasten, wie auch immer die oder der einzelne die zugehörige Grenze genau ziehen mag (Balancing Needs). Auch dieser Ansatz kann über das Individuum hinaus in größerem Kontext gedacht werden beispielsweise mit der Frage danach, inwieweit sich Wirtschaft und Politik auf bestimmte Bedürfnisse von Menschen besonders konzentrieren sollten. Die im Framework unten angesprochene ‚Balancierung‘ kann in Anlehnung an Miegel (2011) auch in Verbindung mit einer „Verschmelzung“ von materiell orientierter und immateriell orientierter Kultur bedeutsam sein. Der dritte Bereich ist mit dem Gedanken verbunden, auf mehreren Ebenen keine unnötig ineffiziente Nutzung von Ressourcen zuzulassen (Efficiency). Diese Richtungen des Denkens und Handelns finden sich im Sustainability Action Framework wie folgt wieder:

SUSTAINABILITY ACTION FRAMEWORK

Sustainability Action Framework

CC BY SA 4.0 – Ronald Deckert – 2014                     

Zu den drei aufgezeigten strategischen Denkrichtungen finden sich einige Ausführung im Unternehmenskontext mit Blick auf Konsistenz-Strategie, Suffizienz-Strategie und Effizienz-Strategie, beispielsweise bei Schaltegger (2013). Ebenfalls im Zusammenhang mit Unternehmen kann man sich bei Bruch und Kunz (2009, S. 8) über die Killing-the-Dragon”-Strategie als Mobilisierung durch sich “abzeichnende Bedrohungen” und überWinning-the-Princess”-Strategie im Sinne einer Mobilisierung durch “faszinierende Zukunftschancen” informieren. Mit Blick auf Nachhaltigkeit (Sustainability) steht im Zentrum der Überlegungen und damit auch des Sustainability Action Framework der ökologische Fußabdruck (ecological footprint,  www.footprintnetwork.org/de/, www.footprintnetwork.org/en/). Bei allem Denken und Handeln aus unterschiedlichen Perspektiven heraus, eint uns Menschen: Das Leben eines jeden von uns ist mit einem ökologischen Fußabdruck verbunden, dessen Größe sich mit der Zeit verändern kann. Es gehört zu den notwendigen Zielen unserer Zeit, dass jeder von uns und wir alle gemeinsam, den ökologischen Fußabdruck möglichst gering halten, da wir die Erde bereits heute zu sehr – und zwar schon über alle Maßen – belasten. Trotz dieser zentralen Aufgabe und dieses sehr ernsten Problems einer Überausnutzung der Ressource Erde, verwenden wir hier im Framework den Begriff Foot Prints (Fußspur), denn: Hiermit können positive Beiträge (zusätzlich bspw. zu einer Senkung des individuellen ökologischen Fußabdrucks) umfasst sein, die wir für die Zukunft leisten wie bspw. soziale Arbeit oder Bildungsarbeit. In besonderem Maße für andere da zu sein gehört dazu: „Caring and sharing are the defining traits of morality and emotionally mature humans. These traits represent our true nature and are essential to the health of human society.“ (Korton, 2014, S. 5). Uns Menschen allein reduziert auf unseren ökologischen Fußabdruck und dann als Bedrohung des Planeten Erde anzusehen, liegt uns fern; gleichwohl diese Perspektive heute wirklich sehr wichtig ist. Wir gehen bei den Foot Prints von folgender Idee aus: Jeder von uns hinterlässt und wir alle zusammen hinter-lassen – bildlich gesprochen – eine Fußspur, die die Zukunft der Erde entscheidend prägt und dies auf die eine oder andere Weise. Mit dem, was wir heute tun, und mit dem, was wir heute nicht tun, üben wir maßgeblichen Einfluss darauf aus, wie es um die Ressourcen der Erde und um die Lebensbedingungen für nachfolgende Generationen zukünftig bestellt sein wird.

Mit den im aufgezeigten Framework vereinten Denkansätzen und -richtungen hängen vielfältige Gedanken zu unserer Zukunft zusammen. Wie sich beispielsweise mit Paech (2013, 2012a, 2012b), Johnson (2012), Miegel (2013, 2011), Randers (2012), Scharmer (2012) und Schularick (2014) zeigt (vgl. unten angegebene Quellen), umfasst die aktuelle Diskussion eine kritische Betrachtung von Modellen, die eine insbesondere durch die Ökonomie von Wachstum und individuellen Interessen geprägte Gesellschaft zum Gegenstand haben. Wir müssen zusammen andere Wege gehen als den des materiellen Wachstums allein nach individuellen Interessen. Das aufgezeigte Sustainability Action Framework stellt grundsätzliche Handlungsrichtungen im Zusammenhang dar und kann Anregung für die Ausrichtung des eigenen Handelns bieten.

Folgen wir der U-Theorie von Otto Scharmer, dann sehen wir, dass wir für wirksame Veränderungen einiges an Weg vor uns haben wie die Überwindung der „Three Enemies“: Unsere Stimme der Bewertung, unsere Stimme des Zynismus und unsere Stimme der Angst (Scharmer, 2010). Praktische Perspektiven für die Unternehmensführung zeigt beispielsweise Beschorner (2014) in einem Video auf, für welches der Link in den Quellen unten angegeben ist, und Korton (2014) schlägt eine „New Economy“ vor, die er „Living Earth Community Economy“ nennt und er schreibt: „Our future depends on learning to organize in co-productive partnership with Earth’s biosphere.“ (Korton, 2014, S. 18). Das oben aufgezeigte Sustainable Action Framework liefert einen Beitrag in diese Richtung. Aber, dies geht für heute über den Gegenstand dieses Blog-Beitrages hinaus und muss von hier aus der weiteren Diskussion überlassen bleiben. Ein wichtiges Dokument zu den Veränderungsnotwendigkeiten ist der im Auftrag des Umweltbundesamtes entstandene Film Flow (http://www.umweltbundesamt.de/themen/abfall-ressourcen/ressourcenschonung-in-produktion-konsum/faktor-x):

 

Ergänzung vom 10. April 2014: Hinweis auf den Zukunftskreis „Global Change“ des FRZ

Wir sind gespannt auf die Ergebnisse der Überlegungen und deren Umsetzung, an der wir gerne mitwirken. Ergänzung vom 11. Juni 2014: Die  Ergebnisse des Zukunftskreises sind jetzt da und zwar unter: http://www.frankfurter-zukunftsrat.de/aktuelles/klimamauern-2014/Statement_Migration_und_Sicherheit.pdf. Auch hierin spiegelt sich die Frage danach wider, ob und wie aus einem empfundenen „Verzicht“ ein „Gewinn“ wird; also auch hier wieder #Killing-the-Dragon vs. #Winning-the-Princess (vgl. Sustainability Action Framework in separatem Blog-Beitrag).

 

Quellen:

Beschorner, T. (2014) Corporate Social Responsibility (CSR): Praktische Perspektiven,
http://www.youtube.com/watch?v=ouNVdr5KfRA

Braungart, M. (2011) Prof. Dr. Braungart über sein „Cradle to cradle“-Konzept auf der Utopia Konferenz, http://www.youtube.com/watch?v=ACT7xbEe6Os

Bruch, H. & Kunz J. J. (2009) Organisationale Energie durch Personalarbeit freisetzen und erhalten, http://www.managementinnovations.com/de/resources/Organisationale-Energie-durch-Personalarbeit-freisetzen-und-erhalten-(Bruch-Kunz).pdf

Johnson, R. (2012) Robert Johnson – New Perspectives For The Economics,
http://www.youtube.com/watch?v=Bw-APh9_Jks

Korton, D. (2014) A New Story for a New Economy – To find our Human Place in a Living Universe, http://www.clubofrome.org/?p=4806

Miegel, M. (2013) Meinhard Miegel: Die ökonomische Realität in Europa,
http://www.youtube.com/watch?v=5MuHVmMb8hQ

Miegel, M. (2011) Wachstum, Wohlstand, Lebensqualität – Vom Ende einer Trias
http://www.youtube.com/watch?v=fw-HApUF9XI 

Paech, N. (2013) Prof. Niko Paech: Wachstum? Nein, danke! | SWR1 Leute, https://www.youtube.com/watch?v=1OtmI07aW2M

Paech, N. (2012a) Nico Paech @ taz.lab 2012 — Das gute Leben, http://www.youtube.com/watch?v=7v5zUhusbck

Paech, N. (2012b) Niko Paech: Die Wachstumsparty ist vorbei (Teil 1),
Postwachstumsökonomie – ein Vortrag von Prof. Dr. Niko Paech beim 2. Zukunftstag der Evangelischen Jugend Edewecht im November 2012. Erster Teil, http://www.youtube.com/watch?v=Xdwqu88cY3g

Randers, J. (2012) „2052: A Global Forecast for the Next Forty Years“ Launch in Rotterdam (NL) PART I, http://www.youtube.com/watch?v=8qDy0jHo_DQ

Schaltegger, S. (2013) Strategisches Management und Nachhaltigkeit – Episode 2: Strategisches Management unternehmerischer Nachhaltigkeitstransformation – Konzept und Ausblick, http://www.youtube.com/watch?v=4Q_15VmhH28

Scharmer, O. (2012) Excerpt from Otto Scharmer – From Ego-System to Ecosystem Economies, Strategies for a New Economy, 2012 Conference, New Economics Institute,
https://www.youtube.com/watch?v=Zw9JVQ1ZP-w

Scharmer, O. (2010) Three Enemies, From: Global Classroom Lecture 3: Connecting to Source, https://www.youtube.com/watch?v=pbnfpUAi_lk

Schularick, M. (2014) Moritz Schularick: Gefährliche Vereinfachungen in der Ökonomie, http://www.youtube.com/watch?v=9SiVO-krlSQ

 

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Über Ronald Deckert

Analytiker, Entdecker, Musiker
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3 Antworten zu Sustainability Action Framework

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