Auf dem Weg zu einem neuen Lebensgefühl

Der Zustand unseres globalen Lebensraums macht Veränderungen notwendig (Korton, 2014) (Paech, 2013) (Randers, 2012). Umdenken ist unabdingbar, Handeln erforderlich. Hierbei liegt zuweilen mindestens implizit ein Status Quo zu Grunde:

Was und inwieweit müssen wir zukünftig anders denken als bisher?
Was müssen wir inwieweit zukünftig anders tun als bislang?

Eine solche „Abweichungsperspektive“ kann uns bei der Veränderung sehr im Wege stehen, denn: Diese Perspektive führt uns deutlichst und bewusst vor Augen, dass unser heutiges Sein und Handeln – zumindest in gewissen Aspekten – so wie es heute ist, nicht sein darf. Es geht dann eben um Abschied von lieb gewonnen Gewohnheiten, wir erleben die Konfrontation mit unserer Maßlosigkeit und sollen uns vielleicht sogar ohne eine neue Perspektive für ein anderes Leben von einem nun nicht mehr adäquaten Leben verabschieden müssen. Wir sollen also diese „Drachen töten“ und dabei auch welche, die wir bislang als unsere „Freunde“ gesehen haben, wie eine Überflussnutzung von Möglichkeiten der Konsumgesellschaft oder der alleinige Besitz und die alleinige Nutzung von Gegenständen, die wir sinnvoll auch gemeinsam mit anderen nutzen könnten. Und dies alles soll uns dann auch noch bedingt durch äußere Umstände abverlangt werden – gerade von uns, die wir in einer Welt materiellen Wachstums und individueller Entfaltung groß geworden sind, in der wir uns persönlich eingerichtet und unsere Weltsicht seit Jahrzehnten verankert haben.

In dieser Situation lohnt es sich schon einmal die Frage zu stellen, ob dies der beste Weg ist, oder ob es nicht einen anderen Weg gibt, auf dem wir uns nicht nur von etwas weg, sondern auf etwas Neues zubewegen. Gehen wir doch einmal ganz anders an diese Problem heran und fragen uns:

Auf was für ein Leben möchten wir später einmal zurückblicken?
Welche Fußspuren möchten wir auf dieser Erde hinterlassen?

Genau diese Art von Fragen sind der Grund, dass diese Fußspuren (englisch: Foot Prints) im Zentrum des Sustainability Action Framework stehen (vgl. separaten Blog-Beitrag: sinnmacht.wordpress.com/2014/04/06/sustainability-action-Framework/).
In dieser Sicht ist der ökologische Fußabdruck nur ein Teil der Fußspur, die wir auf diesem Planeten hinterlassen. Aus dem Unternehmenskontext wurden nun in Anlehnung an Bruch und Kunz (2009) die Ausdrücke „Killing-the-Dragon“ (Drachen töten) und „Winning-the-Prinzessin“ (Prinzessin erobern) im angesprochenen Sustainability Action Framework genutzt, um das oben angeführte Problemfeld zu verdeutlich. „Winning-the-Prinzessin“ steht also für die Erreichung eines nachhaltigeren Handelns und nachhaltigerer Lebensstile insgesamt. Der vorliegende Beitrag ist nun ein Plädoyer dafür, dass wir uns mehr mit dem beschäftigen sollten, was solches Handeln und solche Lebenstile an Gutem und an Lebensglück für uns mitbringen können. Hierzu einige Gedanken:

  • Lebensglück kann sich nach Martin (2014) insbesondere aus Selbstverwirklichung, Sinn und der Verarbeitung von für unser jeweiliges Gehirn wertvollen und komplexen Informationen speisen.
    Damit ist geht vor allem auch Bildung mit der Möglichkeit einher, (immateriell) glücklich zu werden, also ohne zu konsumieren und materiell wachsen zu müssen. Hier gibt es die Bilder auf den Slides zu obigem Vortrag: Jean-Pol/Glücksmodell. Da die Bildung angesprochen wurde, hier ein Video zu Erfahrungen mit einer der moderneren Bildungsmethoden im Internet, den sogenannten MOOC’s (Massive open Online Courses) – 9 gelernte Lektionen von Jörn Loviscach:
    Unter dem folgenden Link kann man an einem empfehlenswerten MOOC zum Klimawandel teilnehmen https://www.coursera.org/course/warmerworld und hier viel darüber erfahren, wie es dem Planeten Erde geht.
  • Auch soziale Beziehungen und die soziale Anerkennung findet sich bei Martin (2014), der auf Maslow zurückgreift, womit Engagement für diejenigen in der Gesellschaft, die unsere Hilfe brauchen, in den Blick kommt, wie bei folgender Einrichtung
    Hände für Kinder – Der neue Kupferhof from Martin Steimann on Vimeo. beispielsweise, die in dieser Form eine soziale Innovation in Deutschland ist. Von Spenden bis freiwilligem Engagement ist man hier herzlich willkommen.
  • Aus manchen Menschen und Bildern spricht die Liebe zu Tieren und Natur, wie beispielsweise in folgendem Video von Smart Planet TV http://www.youtube.com/watch?v=a7D1oQccF5s
    oder auch in folgendem Video von Mama Earth
    Mama Earth from klarzurwende on Vimeo.Es gibt viele Gelegenheiten während des Alltags und insbesondere am Wochenende oder im Urlaub Natur zu erfahren.
  • Um seine Ernährungsgewohnheiten neu auszurichten (was einem selber gut tun und natürliche Ressourcen schonen kann) kann man beispielsweise Fasten unter ärztlicher Aufsicht wie beispielsweise im Schloss Warnsdorf oder an anderen Orten
    Ein persönlicher Erfahrungsbericht hierzu ist im Blog-Beitrag „Veränderung braucht Basis und Bewusstsein“ unter sinnmacht.wordpress.com/2014/06/14/veranderung-braucht-Basis/ verlinkt.
  • Jeglicher Austausch mit Menschen, die andere Lebensstile pflegen, mit denen ein Anspruch an nachhaltigem Handeln einhergeht (wie beispielsweise Minimalisten, Naturschützer, Do-it-youself-Anhänger, …), kann dazu beitragen, dass wir uns verbunden mit dem Wissen und den Erfahrungen dieser Menschen neue Weg eröffnen. Einige Beispiele: Unter http://findingsustainia.org/de/meyerameyer/unsere-challenges.html finden beispielsweise die Erfahrungen von Anne und Santa zu einem Leben mit weniger Zeug beschrieben oder unter http://www.spiegel.de/panorama/gesellschaft/apokalypse-jetzt-buchautorin-greta-taubert-im-interview-a-953321.html einige Erfahrungen aus einem Versuch möglichst autark zu leben. Es gibt viel zu entdecken!
  • Insbesondere Entdecker und Erfinder geben viel, um Ideen zu realisieren und in Innovation umzusetzen. Eine Plattform für Innovationen in den Bereichen Gebäude, Ernährung, Mode, Transport, IT, Energie, Städte, Bildung, Gesundheit und Ressourcen ist Sustainia:

    SUSTAINIA100 2014 from Sustainia on Vimeo.
    Hier finden sich die Innovationen Sustainia100 aus den Jahren 2012, 2013 und 2014. Hier kann man in Innovation stöbern und ggf. auch eine Bewerbung für 2015 abgeben.
  • Ein herausgehobenes Thema, mit dem man sich bezüglich einer möglichen Zukunft für städtische Lebensräume beschäftigen kann, ist Smart Cities:
  • Für nachhaltiges Handeln ist vorausschauender Umgang mit dem Einsatz und der Nutzung von Ressourcen unabdingbar. Auch der vorausschauende Umgang mit finanziellen Ressourcen, wie dies von unserer Kanzlerin Dr. Angela Merkel auf Bundesebene aktuell angesprochen wird (Senkung der Verschuldung relativ zum BIP), zeigt einen Aspekt nachhaltigen Wirtschaftens und schont Handlungsspielräume, die wir dann als Gesellschaft für unsere Zukunft zur Verfügung haben. Wir sollten heute und in Zukunft erwarten können, dass – wie in diesem Beispiel – die Politik ihre Ziele auch im Bewusstsein und in Wahrnehmung einer Vorbildfunktion setzt. Dies geht nur mit Verlässlichkeit, die nach innen gegenüber den Bürgern wirkt und die nach außen die internationale Entscheidungsfähigkeit fördert. Letztere ist für den Weg in Richtung einer nachhaltigen Weltgesellschaft entscheidend, den die Regierung mit der „Post-2015 Agenda for Sustainable Development – Key Positions of the German Government“, das unter dem folgenden Link
    (http://sustainabledevelopment.un.org/content/documents/8778germany.pdf) zugänglich ist, anstrebt. Hierin werden insbesondere die Handlungsfelder der Erbringung von Hilfsleistungen und einer nachhaltigen Ressourcennutzung vereint. Die Verbindung von Entwicklungszielen und Klimazielen ist ein Gedanke dem, auch die Weltbank Bedeutung zuweist: Climate-Smart Developement, http://www.worldbank.org/en/news/feature/2014/06/23/study-adds-up-benefits-climate-smart-development-lives-jobs-gdp.

Nun darf vermutet werden, dass mit allen diesen Aktivitäten wohl nicht ein einzelnes neues Lebensgefühl verbunden ist. Zugleich kann man gewisse Orientierungslinien erkennen, die einem helfen können, sein ganz eigenes neues Lebensgefühl zu entdecken:

  • Weniger als Mehr empfinden, von Besitz entlastet sein,
  • Besinnung auf Wesentliches im Leben,
  • Sich durch ausgewogene Ernährung und Bewegung in seinem Körper wohler fühlen, Spaß an Balance und am Maß halten,
  • Erfolgserlebnis, etwas selber repariert haben,
  • Glücklich sein darüber, mit anderen verbunden zu sein, in der Gemeinschaft und speziell in der Familie Verantwortung zu tragen und anderen geholfen zu haben,
  • Sinn und Selbstverwirklichung darin finden, etwas für eine nachhaltige Nutzung der natürlichen Ressourcen der Erde getan zu haben,
  • Wertschätzung für einen nachhaltigen Einsatz natürlicher und finanzieller Ressourcen zu empfinden,

Dies ist Sinnmacht! Denn, es macht einfach Sinn, Verschwendung zu vermeiden, sich auf Wesentliches zu konzentrieren, seinem Körper Gutes zu tun, Ressourcen nachhaltig einzusetzen usw. usw. usw. Es mag selbstverständlich unterschiedliche Meinungen dazu geben, was im einzelnen genau wie sinnmächtig ist. Mal sehen, welche Erweiterung diese Liste im Laufe der Zeit erfährt 😉 Für individuelle Wege zu neuem Lebensgefühl kann es notwendig sein, dass wir Neues, zunächst Ungewohntes und vielleicht auch Unmöglich erscheinendes ausprobieren. Zwar führen uns letztlich wohl unsere eigenen Entscheidungen in diese Richtung, aber ein Austausch mit Menschen, die für sich bereits einiges hiervon entdeckt haben, kann sicherlich mal ganz hilfreich sein. Und bei all dem sind wir nicht allein, denn …

 

 

Diesen Beitrag hätte ich fast abgeschlossen mit: Lasst uns aufbrechen, denn eigentlich haben wir ja nichts zu verlieren, oder? Dieser Meinung kann man sein. Doch meine Erfahrung sagt mir am Ende etwas anderes: Man kann viel dabei verlieren, nicht aufzubrechen, und zwar alle Erfahrungen, die man dann nicht macht! Im Übrigen: In einmal Entdecktem zu verharren ist für einen Entdecker wie mich keine Alternative 😉 Klar bleibt am Ende natürlich aber auch, dass man nicht nur die Prinzessin für sich gewinnen kann (s. o. „Winning-the-Princess“), sondern sich wohl sicher auch darauf einstellen muss, Drachen zu töten (s. o. „Killing-the-Dragon“). Auch einen Drachen zu töten oder auch nur zu zähmen kann Sinn machen. Aber, nur mit Drachen allein sollten wir uns auch nicht abgeben müssen; es gibt auch die Prinzessin und das nicht nur im Märchen!  

Quellen:

Bruch, H. & Kunz J. J. (2009) Organisationale Energie durch Personalarbeit freisetzen und erhalten, http://www.managementinnovations.com/de/resources/Organisationale-Energie-durch-Personalarbeit-freisetzen-und-erhalten-(Bruch-Kunz).pdf

Korton, D. (2014) A New Story for a New Economy – To find our Human Place in a Living Universe, http://www.clubofrome.org/?p=4806

Martin, J.-P. (2014) Jeanpol/Menschenbild, Wikiversity, http://de.wikiversity.org/wiki/Benutzer:Jeanpol/Menschenbild

Paech, N. (2013) Prof. Niko Paech: Wachstum? Nein, danke! | SWR1 Leute, https://www.youtube.com/watch?v=1OtmI07aW2M

Randers, J. (2012) “2052: A Global Forecast for the Next Forty Years” Launch in Rotterdam (NL) PART I, http://www.youtube.com/watch?v=8qDy0jHo_DQ

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Über Ronald Deckert

Analytiker, Entdecker, Musiker
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